Auszug aus dem "Ausschreiben, die Zählung der Volksmenge und
Wohnhäuser im Königreiche betreffend" vom 13. Oktober 1852
(Gesetz-Sammlung für das Königreich Hannover, II. Abtheilung, No. 7)

 

I. Volkszählung

 

§. 2.

Die Zählung soll in der Art vorgenommen werden, daß festgestellt wird, wie groß die Einwohnerzahl jeden Orts zu Anfange des 3. Decembers 1852 ist. Dieser Anfang soll zu Mitternacht erfolgt angesehen werden.

 

§. 3.

Alle In- und Ausländer werden als Einwohner desjenigen Orts angesehen, in welchem sie sich zur Zeit der Zählung dauernd oder vorübergehend aufhalten.

Es werden hiernach an dem Orte ihres Aufenthalts gezählt: alle dort in Lohn und Brod stehende Dienstboten, in Arbeit stehende oder Arbeit suchende Gesellen oder Gewerbsgehülfen, alle Lehrlinge, Fabrikarbeiter und Tagelöhner, alle Personen, welche am Orte der Zählung auf einer Unterrichts-, Lehr-, Bildungs-, Erziehungs-Anstalt u.s.w. sich befinden, der dort sonst des Unterrichts oder der Bildung wegen vertheilen, sowie die in dortigen Kranken- Entbindungs- oder Arbeitshäusern, in Gefangnissen, Besserungs-Anstalten u.s.w. befindlichen Personen.

Dagegen werden Personen, welche in Gasthäusern eingekehrt sind oder als Gäste in Familien sich aufhalten, an dem Orte, wo sie sich zur Zeit der Zählung befinden, nicht gezählt. – Die in den Handwerks-Herbergen sich aufhaltenden Handwerksgesellen und die in Privatquartieren wohnenden Fremden werden jedoch gezählt.

Diejenigen Inländer, welche zur Zeit der Zählung im In- oder Auslande abwesend sind, werden an ihrem gewöhnlichen Wohn- oder Aufenthaltsorte gezählt. Dahin gehören auch Frachtfahrer, Schiffer und solche Personen, welche ein Gewerbe im Umherziehen betreiben.

Diejenigen, welche mehr als einen Wohnsitz haben, z. B. im Sommer auf einem Landgute, im Winter in einer eigenen Wohnung in einer Stadt sich aufhalten, sind an dem Orte ihrer Winterwohnung mitzuzählen, mithin an ihrem anderen Wohnorte auszuschließen.

Die Frage über daß Wohnrecht (Domicil) wird durch die Zählung nicht berührt.

 

§. 7.

Die Zählung ist in der Regel nach den Gemeinden (Städte, Flecken, Dörfer u.s.w.) vorzunehmen.
Zur Erleichterung und Beförderung des Geschäfts können größere Gemeinden in Abtheilungen zerlegt werden.

Stehen mehrere kleine Gemeinden in einem Verbande, so kann die Zählung nach solchen Verbänden geschehen, wenn dies von der Obrigkeit zweckmäßig gehalten wird.

Die Bewohner einzelner Güter u., welche einer Gemeinde nicht angehören, sind für sich zu zählen.

 

§. 9.

Die Zählung geschieht mittelst Aufnahme von Urlisten von Haus zu Haus, und soll am 3. December d. J. begonnen und ununterbrochen fortgesetzt, auch wo möglich am nämlichen Tage, in volkreichen Orten aber, mit Ausschluß des Sonntags, spätestens am dritten Tage vollendes werden.

Wo die Zählung in einem Tage nicht beendigt werden kann, ist dennoch der am 3. December d. J. vorhanden gewesene Bestand maßgebend.

 

§. 10.

Die örtliche Zählung darf nicht durch Benutzung etwa vorhandener Verzeichnisse ersetzt werden; jedoch ist zulässig, in Städten Formulare zur Eintragung der am Zählungstage vorhandenen Personen an die selbständigen Ortsbewohner austheilen zu lassen, welche Formulare demnächst innerhalb der nach §. 9 für die Zählung festgesetzten Zeit, durch die dazu bestimmten Zählungs-Beamten von Haus zu Haus abzuholen und dabei zugleich hinsichtlich der Richtigkeit der Ausfüllung zu prüfen, auch erforderlichen Falls zu berichtigen sind.

 

§. 11.

Für jede der nach §. 7 für sich zu zählende Abtheilung wird einer besondere Liste (Urliste) ausgestellt.

Diese Listen müssen nach den Häusern geordnet werden und außer den Vor- und Familien-Namen der nach §. 3 zu zählenden Personen auch die in dem Formulare angedeuteten Nachrichten über Alter und sonstiger persönliche Verhältnisse enthalten.

Die Urlisten sind bei der Zählung von dem Zählungs-Beamten auszufüllen.

Der Zählungs-Beamte hat auf der Titelseite der Urliste seine Unterschrift und sein Siegel hinzuzufügen. Mit dem letztern sind die Fäden, durch welche die Liste zusammengeheftet ist, zu befestigen.

 

§. 12.

Die zu einem Haushalt oder zu einer Familie gehörigen Personen sind in der Urliste hinter einander aufzuführen, zuerst der Hauseigenthümer, wenn er im Hause wohnt.

Die zu jedem Haushalte gehörigen Personen sind mit einer fortlaufenden Nummer, bei jedem Haushalte von No. 1 anfangend, zu bezeichnen.

 

II. Zählung der Wohngebäude.

 

§. 13.

Die Zählung der Wohngebäude soll gleichzeitig mit der Volkszählung durch Eintragung der Zahl dieser Gebäude in die dazu bestimmte Rubrik der aufzunehmenden Urliste geschehen.

Die für die Volkszählung ertheilten Vorschriften sind auch bei der Zählung der Wohngebäude, soweit sie hierbei anwendbar sind, zu beachten.

 

§. 14.

Zu den Wohngebäuden sollen gerechnet werden alle diejenigen Häuser, welche wenigstens mit einer Feuerstelle versehen sind, und entweder fortdauernd oder während eines Theils des Jahrs bewohnt werden.

Abgesonderte zur Wohnung eingerichtete Nebengebäude und Hintergebäude werden gezählt, wenn die vorstehende Bestimmung darauf anwendbar ist.

Nebengebäude oder Hintergebäude, welche mit dem Haupthause unmittelber zusammenhängen, werden nicht gezählt.

Bilden sie aber eine durch eine innere Mauer oder durch Stallungen und andere unbewohnte Räume vom Haupthause abgesonderte Wohnung, so sind sie zu zählen.

Gebäude, welche nur zum Gewerbsbetriebe benutzt, aber nicht bewohnt werden, sind nicht mitzuzählen.

Eben so wenig Gartenhäuser, welche nur am Tage bewohnt werden.

Gebäude, welche zu Geschäftsräumen bestimmt sind, in denen aber Aufseher, Pedellen
u. s. w. ihre Wohnung haben, sind mitzuzählen.

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